Für Kerschensteiner bedeutete seine Arbeitsschule in erster Linie Handarbeit. Mit Handarbeit meint er nicht nur die Übung manueller Tätigkeiten, sondern auch die damit verbundenen geistigen Vorgänge.
In zweiter Linie bedeutet der Begriff Arbeitsschule für Kerschensteiner auch die rein geistige Tätigkeit im Sinne geistiger Arbeit.
Die Arbeitsschule war ein gewollter Gegenpol zu der klassischen "Buchschule", wie Kerschensteiner sie nannte. Seine Arbeitsschule war für ihn die neue Schule; eine Schule der Zukunft - eine Schule für den modernen Staat. Er bemängelte, dass die "Buchschulen" ihre Bildung zu einseitig auf die intellektuellen Fähigkeiten ausrichteten und die manuellen Fähigkeiten nicht ausreichend Beachtung fänden. Seine Arbeitsschule jedoch verinnerlicht beide Aspekte in ihrem Konzept: die der körperlichen, als auch der geistigen Förderung der Schüler.
Er schafft in seiner Schule die Verbindung zwischen manueller und geistiger Arbeit. Er geht davon aus, dass bei manueller Tätigkeit sehr wohl auch geistige Fähigkeiten von Nöten sind und andererseits bestimmte geistige Tätigkeiten auch wichtig sind, wenn es heißt, theoretische Ideen in die Praxis umzusetzen.
Kerschensteiner wurde oft der Vorwurf gemacht, seine Schule sei eine reine Handwerkerschule und vernachlässige in verantwortungsloser Form die Ausbildung der geistigen Tätigkeiten. Für ihn jedoch war die selbstständige geistige Arbeit noch mehr ein Kennzeichen seiner Arbeitsschule als die selbstständige manuelle Arbeit.
Die Begründung für sein Konzept der Arbeitsschule ist sehr einfach: Er richtet sich nach den Grundbedürfnissen eines jeden Kindes: der Trieb zu lernen, zu entdecken, nachzufragen, zu erfahren, auszuprobieren, zu bewegen und zu arbeiten.
Diese Grundbedürfnisse sollen in seiner Schule aufgefangen und gefördert werden, da sie seiner Meiniung nach der Schlüssel zum erfolgreichen Lernen sind. Alles, was gerlernt wird, geschieht aus eigenem, naturgegebenen Antrieb. Mit der Unterstützung dieser Bedürfnisse lernen die Kinder alles, was sie im späteren Leben am dringensten benötigen: Selbstständigkeit, handwerkliche Fähigkeiten und geistige Grundkenntnisse. So bekommt ein Kind in der Arbeitsschule eine breitgefächerte Ausbildung.
Ein immer wieder häufiges Argument Kerschensteiners für seine Ausbildung ist die Tatsache, dass die meisten Kinder im späteren Leben einen handwerklichen Beruf ausüben würden und keinen rein geistigen. In der Arbeitsschule und deren Methoden werden sie auf beide Aspekte vorbereitet.
Kerschensteiner übernimmt von der herkömmlichen Schule jedoch auch einige Erziehungsziele, wie Pünktlichkeit, Sorgfalt, Ordnung und Selbstüberwindung. Hier macht er gegenüber der Volksschule Eingeständnisse, denn auch für ihn sind diese Grundeigenschaften in der Erziehung von großer Bedeutung.
|
|