Kerschensteiners Arbeitsschule in der Praxis

Arbeit in der Gruppe

Arbeit ist für Kerschensteiner nicht immer nur Einzelarbeit. Er plädierte aufgrund seines ausgeprägten sozialen Denkens und seiner staatsbürgerlichen Erziehung für das Lernen in einer Arbeisgemeinschaft. Damit meint er drei Fomen der Gemeinschaft:

1. eine Gruppe innerhalb der Klasse, die als Arbeitsgemeinschaft handelt

2. die ganze Klasse

3. die ganze Schule, die zusammen arbeitet.

Die Arbeitenden sollten durch diese Gruppen lernen, dass Arbeit zum Wohle für eine Gemeinschaft geschieht. Auch die geringste Arbeit wird immer im Dienste der Gemeinschaft ausgeführt.

Einen weiteren Pluspunkt sah Kerschensteiner darin, dass die Schüler auf andere angewiesen sind, sich gegenseitig helfen und somit soziale Fertigkeiten erlernen.

Stufen des Arbeitsunterrichts

Da Kerschensteiner gegen die Unterrichtsstufen der Herbatianer war, da diese zu stark vom Lehrer ausgingen, und gegen die"Unterrichtsmotivation von Erleben und den Interessen der Schüler her", da hier die "Zucht der Gegenstände" fehlte, entwickelte er einen eigenen Plan. Zu Beginn steht eine Aufgabe. Diese Aufgabe gibt eine Richtung vor, allerdings ist die Lösung nicht klar ersichtlich. Der Schüler hat nun die Aufgabe durch Fragen eine Vermutung über die Lösung zu formulieren. Der Denkprozess hat somit begonnen und kann nun weiter verfolgt werden. Das Lösen der Aufgabe erfolgt durch vorhandene Kenntnisse, Denkanstrengungen und bereitgestellte Hilfs- und Arbeitsmittel. Das wichtigste ist, dass der Schüler das Richtige selber findet.

Das "allerwichtigste" laut Kerschensteiner ist, dass der Schüler sich nicht mit der ersten Vermutung zufrieden geben , sondern sich selber kontrollieren und selbständig vielleicht noch weitere Vermutungen finden soll.

Der vierte Schritt, ist die "Verifikation", die Fertigstellung der Arbeit. Hiermit gelangt der Schüler zum wirklichen Handeln und bleibt nicht bei seinen geistigen Überlegungen. Die Lösung muss richtig und widerspruchsfrei sein.

Der letzte Schritt, ist "die Prüfung des Arbeitsergebnisses durch den Schüler". Der Schüler soll sein Ergebnis selber überprüfen, "Schülerprüfung", und nicht "Lehrerprüfung".

An der Prüfung unterscheiden sich zwei Punkte:

1. die "Außenschau": Sie bezieht sich auf die Qualität der Lösung und ihren Weg.

2. Die "Innenschau": "rationale Selbstprüfung". Hierbei geht der Blick auf die Fehler und deren Ursachen.

Je mehr der Schüler selber beobachtet und zu richtigen Entscheidungen kommt, um so fruchtbarer ist die Prüfung.

Dies ist der Kern der Arbeitsschule und des Arbeitsunterrichts.



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